Peter Müller
»Konflikte im Betriebsrat? Das darf doch nicht sein!« – Diesen Satz hört man häufig. Und doch gehören Spannungen, Reibungen und harte Auseinandersetzungen zum Alltag vieler Gremien. Das Problem: Oft wird hilflos damit umgegangen. Es wird kritisiert, geschimpft, vorgeworfen – aber selten wirklich geklärt.

Die entscheidende Frage lautet also nicht: »Wie verhindern wir Konflikte?« – sondern: »Wie gehen wir klug und konstruktiv damit um?« Damit Konfliktgespräche nicht im Kreis laufen, braucht die Moderatorin / der Moderator einen klaren Fahrplan für die Klärung:

1. Gesprächsziel klären

  • Was ist Euer Ziel in diesem Termin?
  • Können wir uns darauf einigen?
  • Grundregel: Wir hören einander zu – ohne Unterbrechungen.

2. Konflikte sichtbar machen

  • Auf einer Pinwand mit Karten ganz konkrete Konflikt-Beispiele sammeln: »Was hat mich am Verhalten eines anderen Mitglieds gestört?«
  • Gemeinsam die Konflikt-Beispiele gruppieren: Welche gehören zum selben Thema?
  • Wie können wir jeweils die Themen bezeichnen?
  • Priorisierung: Welche Themen bearbeiten wir heute in welcher Reihenfolge? Jede/r verteilt 3 Klebepunkte unter den Themen.
  • In der Reihenfolge der Prioritäten: Wer ist bereit, den Konflikt an einem der Konflikt-Beispiele aus dem Thema zu beschreiben?

3. Ein Beispiel aus einem Thema auswählen und beschreiben

  • Beschreiber/in schildert neutral: Nur Fakten, keine Bewertungen oder Vorwürfe.
  • Keine Pauschalisierungen wie »immer«, »nie« oder »dauernd«.
  • Andere dürfen nach der Schilderung Fakten ergänzen oder richtigstellen.
  • Moderator stellt Abschlussfrage: »Ist das jetzt richtig beschrieben?«

4. Wirkung auf mich benennen

  • Moderator nennt Beispiele für Gefühle:
    • negative:
      Ärger, Wut, Angst, Scham, Frustration, Traurigkeit, Vorsicht, Ekel, Überraschung
    • positive:
      Freude, Begeisterung, Zufriedenheit, Stolz, Liebe
  • Moderator fragt Beschreiber/in: Welche Gefühle löst das bei Dir aus?
    Wichtig: Ich spreche nur von mir. Keine »Du-Botschaften«.

5. Verstehen wollen

  • Moderator fragt Beschreiber/in: »Warum ist Dir das so wichtig?«
  • Moderator fragt Konflikt-»Gegner«:
    • Ist das für Dich/Euch nachvollziehbar?
    • Siehst Du/seht Ihr Veränderungsbedarf? Welchen?
    • Falls es schwerfällt: »Perspektivwechsel-Übung« mit zwei Stühlen

6. Lösungen vereinbaren

  • Auf einem Flipchart pro Thema festhalten:
    • Kurzbezeichnung
    • Veränderungsbedarf: Wer tut was bis wann?
    • Gilt das besprochene Beispiel auch für die anderen genannten Konflikte in dem Thema?
    • Falls nötig: Vereinbarung einer Schlichtungskommission, die regelmäßig oder bei Bedarf tagt.

7. Nächstes Thema angehen

In der Reihenfolge der Prioritäten die weiteren Themen wie oben bearbeiten.

8. Abschluss

Frage an alle: „Könnt Ihr Euch vorstellen, dass das so gelingt?“

Das Gelingen sichern:

Damit eine Konfliktklärung im Betriebsrat gelingt, braucht es einige klare Prinzipien. Entscheidend ist, immer die Gemeinsamkeiten zu betonen und aktiv nach Konsensmöglichkeiten zu suchen. Ebenso wichtig ist es, Minderheiten einzubeziehen und den wahren Kern ihrer Position ernst zu nehmen – denn oft steckt darin ein wertvoller Hinweis für das ganze Gremium. Zugleich gilt: Ohne verbindliche Schritte bleibt alles beim Alten, daher sollten am Ende klare Vereinbarungen stehen, wer was verändert. Und wenn es doch einmal nicht allein gelingt, ist es hilfreich, einen neutralen Moderator hinzuzuziehen. Er sorgt dafür, dass der rote Faden gehalten wird und alle Stimmen Gehör finden. Genau dabei unterstütze ich Betriebsräte seit vielen Jahren – unparteiisch, lösungsorientiert und mit dem Ziel, die Handlungsfähigkeit des Gremiums zu stärken.